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Die Spitzkehre ist eine Technik, mit der du im steilen Gelände die Gehrichtung wechselst, ohne die Ski abzuschnallen. Im Skitouren-Alltag wird sie häufig auch Kickkehre oder Kickturn genannt. Sie ist vor allem dann nötig, wenn die Aufstiegsspur so steil oder eng angelegt ist, dass ein normaler Richtungswechsel nicht mehr sicher möglich ist.

Was passiert bei einer Spitzkehre?

Bei der Spitzkehre baust du dir zuerst einen stabilen „Parkplatz“ quer zum Hang, stützt dich mit den Stöcken ab und setzt anschließend die Ski nacheinander in die neue Richtung um. Zuerst wird der bergseitige Ski gedreht. Nachdem das Gewicht auf diesen Ski verlagert wurde, folgt der talseitige Ski mit einem kontrollierten Impuls, bei dem die Skispitze angehoben und am Standbein vorbeigeführt wird.

Viele Anleitungen betonen dabei dieselbe Reihenfolge: sicher stehen, Oberkörper zum Hang ausrichten, Stöcke als Abstützung nutzen und erst danach die Ski umsetzen.

In der Praxis ist die Spitzkehre weniger eine Kraftfrage als eine Balance- und Timingfrage. Wenn dein Schwerpunkt nicht stabil über dem belasteten Standski bleibt oder zu weit talwärts gerät, kann der Ski leichter wegrutschen. Deshalb sind ein ruhiger Stand, eine kontrollierte Gewichtsverlagerung und ein sauberer Stockeinsatz entscheidend.

➡ Spitzkehre heißt: erst einen sicheren Stand schaffen, dann die Ski kontrolliert umsetzen.

Wann du die Spitzkehre wirklich brauchst

Du brauchst Spitzkehren vor allem in steilen Querungen, an Serpentinen in engen Rinnen oder wenn ein Richtungswechsel mit normalem Gehen nicht mehr sicher möglich ist. Besonders anspruchsvoll wird die Technik auf hartem Schnee oder Windharsch, weil Felle und Skikanten weniger zuverlässig greifen und ein Abrutschen schwerwiegende Folgen haben kann.

Hier kommen Harscheisen ins Spiel. Sie können die seitliche Bodenhaftung bei harten Querungen und Spitzkehren verbessern, sollten aber montiert werden, bevor ein sicherer Stand nicht mehr gewährleistet ist. Sie müssen zur Bindung und zur Skibreite passen und ersetzen weder eine saubere Technik noch eine geeignete Routenwahl.

Bei hoher Steighilfe greifen Harscheisen häufig weniger tief in den Schnee. Deshalb sollte die Steighilfe bei montierten Harscheisen möglichst ausgeschaltet oder nur in einer niedrigen Stufe verwendet werden.

Harscheisen, eine flachere Spur oder ein Abbruch müssen gewählt werden, bevor du im Steilhang nur noch versuchst, dich festzuhalten.

Schritt für Schritt: Spitzkehre lernen

Die folgenden Schritte beschreiben eine praxistaugliche Standardabfolge, wie sie in Ausbildungs- und Technikbeiträgen verwendet wird.

1. Parkplatz bauen

Bleibe nicht direkt in der steilsten Querung stehen, sondern tritt kurz vor der Kehre eine kleine, feste Plattform aus. Ziel ist ein stabiler, möglichst hangparalleler Stand, der dir ausreichend Zeit und Platz für das Umsetzen gibt.

2. Oberkörper zum Hang drehen und Stöcke setzen

Drehe den Oberkörper leicht zum Hang und setze beide Stöcke so, dass du dich sicher abstützen kannst. Ein Stock steht meist bergseitig etwas höher, der andere stabilisiert unterhalb oder seitlich. Die Stöcke dienen als zusätzliche Abstützung, dürfen aber keinen unsicheren Stand ersetzen.

3. Bergseitigen Ski umsetzen

Belaste den talseitigen Ski stabil. Hebe den bergseitigen Ski an und drehe ihn kontrolliert in die neue Richtung. Dabei wird der Ski häufig in einer bogenförmigen Bewegung umgesetzt, die an einen Scheibenwischer erinnert.

Setze den Ski so ab, dass der Abstand und der Höhenunterschied zwischen deinen Füßen nicht unnötig groß werden. Nur dann kannst du dein Gewicht anschließend kontrolliert auf den bereits umgesetzten Ski verlagern.

4. Gewicht verlagern und talseitigen Ski nachführen

Verlagere dein Gewicht vollständig und kontrolliert auf den bereits umgesetzten Ski. Hebe anschließend die Ferse des talseitigen Skis an. Durch einen kurzen, kontrollierten Impuls hebt sich die Skispitze, sodass du den Ski am Standbein vorbeiführen und in die neue Richtung drehen kannst.

Dieser Bewegungsimpuls ist der namensgebende „Kick“ der Kickkehre. Er sollte nicht hektisch oder mit übermäßiger Kraft ausgeführt werden. Entscheidend sind eine stabile Gewichtsverlagerung und ausreichend Platz zwischen Ski, Hang und Standbein.

5. Nachjustieren und weitergehen

Setze den zweiten Ski möglichst parallel zum bereits gedrehten Ski ab. Wenn die Ski überkreuzt stehen oder der Abstand zu groß ist, korrigiere die Position mit kleinen Schritten. Eine ruhige und stabile Ausgangsposition nach der Kehre ist wichtiger als eine schnelle Ausführung.

Trainings-Tipp: Übe Spitzkehren zuerst in mäßig steilem Gelände und auf griffigem Schnee, bevor du sie in einer harten oder absturzgefährdeten Querung benötigst. Der Schwerpunkt sollte kontrolliert über dem jeweils belasteten Standski bleiben. Eine ausgeprägte Vor- oder Rücklage erschwert das Umsetzen.

➡ Spitzkehre üben heißt: erst in einfachem Gelände sauber, dann in steilerem Gelände sicher.

Häufige Fehler und schnelle Korrekturen

Parkplatz zu klein oder zu weichwackelig und hektischPlattform fester und breiter austreten
Stöcke zu nah am Körperzu wenig Abstützung und unsicheres GleichgewichtStöcke bewusst seitlich und bergseitig zur Stabilisierung setzen
Schwerpunkt zu weit talwärtsder belastete Ski beginnt wegzurutschenGewicht kontrolliert über den Standski bringen und Oberkörper ruhig halten
Gewicht wird zu früh verlagertbeide Ski stehen instabil oder überkreuzen sichden ersten Ski sicher absetzen, bevor das Gewicht vollständig verlagert wird
Der zweite Ski wird nur angehoben, aber nicht gekicktdie Skispitze bleibt am Hang oder Standbein hängenFerse kontrolliert anheben und die Skispitze mit einem kurzen Impuls freigeben
Steighilfe zu hoch bei montierten Harscheisenwenig Griff und unsicherer StandSteighilfe reduzieren oder eine flachere Route wählen

Sicherheit: Wann du besser umdrehst oder umsteigst

Spitzkehren sind auf harter Schneeoberfläche deutlich anspruchsvoller. Gleichzeitig kann die Absturzgefahr steigen. In solchen Situationen kann es sinnvoll sein, die Wendestelle frühzeitig zu präparieren, eine flachere Spur zu wählen oder die Route zu ändern.

Je nach Steilheit, Untergrund, Absturzgefahr und eigenem Können kann es sicherer sein, die Ski abzunehmen und mit geeigneten Steigeisen weiterzugehen. Das ist jedoch keine automatische Fortsetzung der Tour. Eine Umkehr kann die sicherere Entscheidung sein.

Auch Harscheisen haben Grenzen. Sie verbessern den Griff auf hartem Untergrund, können aber weder eine sichere Spitzkehrentechnik noch eine geeignete Routenwahl ersetzen. Wenn ein stabiler Stand nicht mehr zuverlässig möglich ist, sollte die Kehre nicht erzwungen werden.

➡ Die sicherste Spitzkehre ist die, die du nicht im Grenzbereich erzwingen musst.

FAQ

Ist Spitzkehre das Gleiche wie Kickkehre oder Kickturn?

Im Skitouren-Sprachgebrauch werden Spitzkehre, Kickkehre und Kickturn häufig synonym verwendet. Der Begriff „Kick“ beschreibt den kontrollierten Impuls, mit dem beim Nachführen des zweiten Skis dessen Spitze angehoben und am Standbein vorbeigeführt wird.

Wann brauche ich Harscheisen für Spitzkehren?

Harscheisen sind sinnvoll, wenn eine harte oder vereiste Schneeoberfläche zu erwarten ist und die Felle allein nicht mehr genügend Halt bieten. Sie sollten rechtzeitig montiert werden. Bei montierten Harscheisen sollte die Steighilfe möglichst niedrig eingestellt sein, damit die Zacken ausreichend tief greifen.

Was ist die wichtigste Regel für sichere Spitzkehren?

Die Grundlage ist ein stabiler Standplatz. Danach folgen ein kontrollierter Stockeinsatz, das sichere Umsetzen des ersten Skis und eine vollständige Gewichtsverlagerung, bevor der zweite Ski nachgeführt wird.

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