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Der Radius eines Skis beschreibt, wie stark seine seitliche Kontur gekrümmt ist. Er wird in Metern angegeben und dient als Orientierung dafür, ob ein Ski eher kurze, mittlere oder lange Kurven begünstigt. Ein kleiner Radius unterstützt grundsätzlich engere Bögen, während ein größerer Radius längere Kurvenformen begünstigt.

Der angegebene Radius ist jedoch kein fester Kurvenradius, den der Ski während der Fahrt automatisch einhält. Aufkantwinkel, Durchbiegung, Druckverteilung, Geschwindigkeit, Schnee und Fahrtechnik beeinflussen den tatsächlich gefahrenen Bogen.

➡ Der Radius beschreibt die Kurventendenz eines Skis – nicht jede Kurve, die damit gefahren werden kann.

Was bedeutet der Radius bei Skiern?

Der auf einem Ski angegebene Radius ist ein geometrischer Referenzwert der seitlichen Skikontur. Er ergibt sich aus der Taillierung beziehungsweise dem Sidecut sowie der wirksamen Länge des Skis.

Ein stark taillierter Ski besitzt im Verhältnis eine schmale Mitte und breitere Bereiche an Schaufel und Skiende. Dadurch entsteht meist ein kleinerer nomineller Radius. Ein schwächer taillierter Ski besitzt häufig einen größeren Radius.

  • Kleiner Radius: begünstigt kurze und engere Kurven.
  • Mittlerer Radius: ermöglicht häufig eine vielseitige Mischung unterschiedlicher Kurvenformen.
  • Großer Radius: begünstigt längere und weniger stark zugedrehte Bögen.

Der Radius ist nicht mit der Mittelbreite gleichzusetzen. Zwei Ski können ähnlich breit sein und trotzdem unterschiedliche Taillierungen und Radien besitzen.

➡ Die Taillierung beschreibt die seitliche Form. Der Radius ist ein daraus berechneter Vergleichswert.

Was bedeutet ein kleiner oder großer Radius?

Die folgenden Bereiche dienen nur als grobe Orientierung. Sie sind nicht normiert und hängen stark von Skityp, Skilänge und Hersteller ab.

unter etwa 14 mkurze, engere Kurven und hohe DrehfreudigkeitSlalom-, Kurzradius- und drehfreudige Pistenski
etwa 14–18 mvielseitige mittlere Kurvenformenviele Pisten- und All-Mountain-Ski
über etwa 18 mlängere, weniger stark zugedrehte BögenRacecarver, Freeride- und langradiusorientierte Ski

Die Grenzen überschneiden sich. Viele All-Mountain- und Freeride-Ski besitzen Radien von deutlich über 18 Metern, können sich durch Rocker, Taper und ihre Flexverteilung trotzdem leicht drehen lassen.

Ein kleiner Radius bedeutet außerdem nicht automatisch, dass ein Ski bei höherem Tempo instabil ist. Ebenso macht ein großer Radius einen Ski nicht automatisch laufruhig. Stabilität hängt zusätzlich von Skilänge, Flex, Torsionssteifigkeit, Masse, Dämpfung und Materialaufbau ab.

➡ Der Radius beeinflusst die bevorzugte Kurvenform. Laufruhe und Stabilität entstehen aus dem gesamten Ski-Aufbau.

Nomineller Radius und tatsächlich gefahrener Kurvenradius

Der nominelle Radius ist ein geometrischer Wert, der sich auf die seitliche Form des unbelasteten Skis bezieht. Der tatsächlich gefahrene Kurvenradius kann davon deutlich abweichen.

Beim Aufkanten und Belasten biegt sich der Ski durch. Dadurch kann die Kante eine engere Kurve beschreiben als die seitliche Kontur des unbelasteten Skis. Wie stark dieser Effekt ausfällt, hängt unter anderem von folgenden Faktoren ab:

  • Aufkantwinkel
  • Durchbiegung des Skis
  • Druckverteilung zwischen Schaufel, Skimitte und Skiende
  • Flex und Torsionssteifigkeit
  • Geschwindigkeit
  • Schneehärte und Untergrund
  • geschnittener oder gerutschter Fahrweise

Wird der Ski sauber auf der Kante geführt und ausreichend durchgebogen, kann der gefahrene Radius kleiner als der nominelle Radius sein. Wird die Kurve teilweise gerutscht oder gedriftet, kann der tatsächliche Bogen deutlich größer ausfallen.

➡ Der angegebene Radius ist kein festes Lenkradmaß. Der Fahrer und die Belastung verändern den gefahrenen Bogen.

Wie beeinflusst die Skilänge den Radius?

Der angegebene Radius gilt immer für eine bestimmte Skilänge. Dasselbe Skimodell wird häufig in mehreren Längen angeboten, die jeweils unterschiedliche Taillierungsmaße und Radien besitzen können.

Ein längerer Ski desselben Modells besitzt häufig einen größeren nominellen Radius als eine kürzere Variante. Das ist jedoch keine zwingende allgemeine Regel, weil Hersteller die Geometrie jeder Länge unterschiedlich abstimmen können.

Bei einem Produktvergleich muss deshalb immer geprüft werden, für welche Skilänge der angegebene Radius gilt.

Beispiel:

  • Ein Ski in 163 cm kann mit 14,2 m angegeben sein.
  • Dasselbe Modell in 170 cm kann einen Radius von 15,5 m besitzen.
  • Eine weitere Länge kann wiederum eine anders angepasste Taillierung aufweisen.

Die Werte sind nur ein Beispiel und keine allgemeine Umrechnungsregel.

➡ Radiusangaben verschiedener Ski sind nur vergleichbar, wenn auch die jeweilige Skilänge berücksichtigt wird.

Welcher Radius passt zu welchem Fahrstil?

Kurze und schnelle Schwünge

Für kurze Schwünge, enge Pisten und slalomähnliches Fahren eignet sich häufig ein Ski mit kleinerem Radius. Die stärkere Taillierung erleichtert es, den Ski auf der Kante in einen engeren Bogen zu bringen.

Ein stark taillierter Ski kann den Fahrer jedoch deutlicher in seine bevorzugte Kurvenform ziehen. Wer häufig driftet oder unterschiedliche Kurvenradien fahren möchte, sollte deshalb nicht ausschließlich den kleinstmöglichen Radius wählen.

Vielseitige Kurvenformen

Ein mittlerer Radius ist bei vielen Pisten- und All-Mountain-Ski verbreitet. Er kann kurze bis längere Schwünge ermöglichen, sofern Flex, Rocker und Taillierung entsprechend abgestimmt sind.

Der Radius allein sagt jedoch nicht aus, wie leicht sich ein Ski drehen oder driften lässt. Besonders Rocker und Taper können das Lösen von Schaufel und Skiende erleichtern.

Lange Bögen und höheres Tempo

Ein größerer Radius begünstigt lange, offene Kurvenformen. Solche Geometrien finden sich häufig bei Racecarvern, Riesenslalom-orientierten Ski und manchen Freeride-Modellen.

Für hohe Geschwindigkeit sind zusätzlich Laufruhe, ausreichende Skilänge, Dämpfung und eine passende Flexabstimmung wichtig.

➡ Wähle den Radius nicht isoliert, sondern zusammen mit Skilänge, Einsatzbereich und gewünschter Kurvenform.

Multi-Radius-Konstruktionen

Bei einer Multi-Radius-Konstruktion besitzt die seitliche Skikontur nicht über ihre gesamte Länge denselben angenäherten Radius. Stattdessen werden unterschiedliche Krümmungen im vorderen, mittleren und hinteren Bereich miteinander kombiniert.

Je nach Hersteller werden dafür Bezeichnungen wie Dual Radius, Triple Radius, Multi Radius oder 3D Radius verwendet. Diese Begriffe sind nicht einheitlich normiert und können unterschiedliche Konstruktionen beschreiben.

Ziel solcher Konzepte kann es sein, verschiedene Fahreigenschaften miteinander zu verbinden:

  • leichtes Einleiten der Kurve
  • stabile Führung im mittleren Kurvenbereich
  • kontrolliertes Lösen des Skiendes
  • Anpassung an kurze und längere Kurvenformen

Wie sich ein Multi-Radius-Ski tatsächlich fährt, hängt zusätzlich von Rocker, Taper, Flex, Torsionssteifigkeit und Belastung ab. Die Bezeichnung allein erlaubt deshalb keine sichere Aussage über das Fahrverhalten.

➡ Multi-Radius bedeutet mehrere Krümmungen innerhalb einer Skikontur – nicht automatisch perfekte Eigenschaften für jeden Fahrstil.

Radius im alpinen Rennsport

Im alpinen Rennsport ist der Radius Teil der Ausrüstungsvorgaben. Die FIS definiert je nach Disziplin, Wettbewerbsebene und Altersklasse unterschiedliche Anforderungen an Skilänge, Radius und Breite.

Slalom-, Riesenslalom-, Super-G- und Abfahrtsski besitzen dadurch deutlich unterschiedliche Geometrien. Die konkreten Werte können sich zwischen Wettbewerbsklassen und Reglementversionen unterscheiden.

Eine Modellbezeichnung wie „FIS“, „GS“ oder „Race“ bedeutet nicht automatisch, dass jede angebotene Länge für jeden offiziellen Wettbewerb zugelassen ist. Vor einem Renneinsatz müssen die Angaben des konkreten Modells mit dem aktuellen Reglement verglichen werden.

➡ Im Freizeitbereich ist der Radius eine Orientierung. Im Rennsport kann er eine verbindliche Ausrüstungsvorgabe sein.

Häufige Fehler bei der Auswahl

  • einen kleinen Radius automatisch mit einem besseren Ski gleichsetzen
  • einen großen Radius automatisch mit hoher Stabilität gleichsetzen
  • den Radius ohne Berücksichtigung der Skilänge vergleichen
  • den nominellen Radius mit dem tatsächlich gefahrenen Kurvenradius verwechseln
  • Rocker, Taper, Flex und Torsionssteifigkeit ignorieren
  • einen echten FIS-Riesenslalomski mit einem normalen Racecarver gleichsetzen
  • Multi-Radius-Bezeichnungen verschiedener Hersteller direkt miteinander vergleichen

FAQ

Was bedeutet der Radius bei einem Ski?

Der Radius ist ein geometrischer Referenzwert der seitlichen Skikontur. Er gibt an, ob ein Ski grundsätzlich eher kurze oder lange Kurvenformen begünstigt.

Ist ein kleiner Radius besser?

Nicht grundsätzlich. Ein kleiner Radius erleichtert häufig kurze Kurven. Für lange Bögen, hohe Geschwindigkeiten oder einen weniger stark steuernden Ski kann ein größerer Radius besser passen.

Fährt ein Ski immer den angegebenen Radius?

Nein. Der tatsächlich gefahrene Kurvenradius hängt zusätzlich von Aufkantwinkel, Durchbiegung, Belastung, Schnee, Geschwindigkeit und Fahrtechnik ab.

Hat ein kürzerer Ski immer einen kleineren Radius?

Häufig besitzt eine kürzere Länge desselben Modells einen kleineren Radius. Die genaue Geometrie wird jedoch vom Hersteller festgelegt. Deshalb muss der Radius für jede angebotene Skilänge separat geprüft werden.

Was bedeutet Multi Radius?

Bei einer Multi-Radius-Konstruktion werden unterschiedliche Krümmungen innerhalb der seitlichen Skikontur kombiniert. Die genaue Ausführung und Wirkung unterscheidet sich je nach Hersteller.

Welcher Radius eignet sich für Anfänger?

Für Anfänger ist nicht automatisch der kleinste Radius die beste Wahl. Ein gut kontrollierbarer Ski mit mittlerem Radius, passender Länge und gutmütigem Flex ist häufig sinnvoller als ein aggressiv abgestimmter Slalomski.

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