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Als Altschnee wird Schnee bezeichnet, der bereits Teil der bestehenden Schneedecke ist und seit seiner Ablagerung durch Temperatur, Wind, Druck oder Feuchtigkeit verändert wurde. Eine allgemein gültige Altersgrenze wie drei Tage gibt es dafür nicht.

Altschnee kann hart, verkrustet und stark verdichtet sein. Er kann aber auch lockere, kantige und störanfällige Schichten enthalten. Seine Eigenschaften hängen deshalb nicht allein vom Alter ab, sondern vor allem von der bisherigen Wetter- und Schneedeckenentwicklung.

➡ Altschnee ist nicht automatisch stabiler oder härter als Neuschnee. Entscheidend sind Aufbau und Verbindung der einzelnen Schneeschichten.

Was ist Altschnee?

Im allgemeinen Sprachgebrauch bezeichnet Altschnee länger liegenden Schnee, dessen ursprüngliche Neuschneekristalle bereits umgewandelt wurden. In der Lawinenkunde ist häufig die ältere Schneedecke gemeint, die vor einem aktuellen Schneefall oder einer neuen Triebschneeablagerung bereits vorhanden war.

Altschnee kann aus mehreren unterschiedlich aufgebauten Schichten bestehen. Dazu gehören beispielsweise:

  • verdichtete und gut verbundene Schneeschichten
  • Schmelz- und Gefrierkrusten
  • kantig aufgebaute Kristalle
  • Schwimmschnee beziehungsweise Tiefenreif
  • eingeschneiter Oberflächenreif
  • ältere Triebschneeablagerungen
  • feuchte oder wieder gefrorene Schneeschichten

Die Aussage, Altschnee sei grundsätzlich dichter und härter als Neuschnee, ist daher zu pauschal. Manche Altschneeschichten sind tragfähig und stabil, andere bilden ausgeprägte Schwachschichten.

Wie entsteht Altschnee?

Aus Neuschnee wird Altschnee, sobald die Kristalle nach ihrer Ablagerung verändert werden. Dieser Prozess wird als Schneemetamorphose bezeichnet.

Zu den wichtigsten Einflussfaktoren gehören:

  • Temperatur und Temperaturunterschiede innerhalb der Schneedecke
  • Druck durch darüberliegende Schneeschichten
  • Wind und Schneeverfrachtung
  • Sonneneinstrahlung
  • Regen und Schmelzwasser
  • wiederholtes Auftauen und Gefrieren
  • Beschaffenheit des Untergrunds

Während der Umwandlung verändern sich Form, Größe und Verbindung der Schneekristalle. Dabei kann die Schneedecke fester werden. Unter bestimmten Bedingungen können sich jedoch auch lockere, schlecht miteinander verbundene Kristalle bilden.

Welche Arten der Schneeumwandlung gibt es?

abbauende beziehungsweise rundende UmwandlungKristalle werden kleiner und runder und verbinden sich zunehmendSetzung und häufig zunehmende Festigkeit
aufbauende Umwandlunges entstehen kantige, größere und locker verbundene Kristallemögliche Bildung langlebiger Schwachschichten
Schmelzumwandlungflüssiges Wasser verändert die Kristalle; beim Gefrieren entstehen Krustentragfähige Harschdecke oder nach Aufweichung Festigkeitsverlust
WindumwandlungKristalle werden zerbrochen, verfrachtet und verdichtet abgelagertBildung von Triebschnee und Schneebrettern

Abbauende Umwandlung

Bei geringen Temperaturunterschieden innerhalb der Schneedecke werden unregelmäßige Neuschneekristalle zunehmend runder. Gleichzeitig setzt sich der Schnee und wird dichter.

Dieser Prozess kann die Verbindung zwischen den Körnern verbessern. Er bedeutet jedoch nicht, dass die gesamte Schneedecke automatisch stabil ist, weil zwischen den festeren Schichten weiterhin Schwachschichten vorhanden sein können.

Aufbauende Umwandlung

Bei großen Temperaturunterschieden innerhalb der Schneedecke kann Wasserdampf von wärmeren zu kälteren Bereichen wandern. Dabei bilden sich kantige Kristalle oder Schwimmschnee.

Diese Kristalle besitzen häufig nur wenige stabile Verbindungen untereinander. Werden sie von gebundenem Schnee überlagert, kann eine ungünstige Schneebrettstruktur entstehen:

  • oben eine zusammenhängende Schneeschicht beziehungsweise ein Schneebrett
  • darunter eine lockere Schwachschicht

Eine solche Schwachschicht kann über längere Zeit erhalten bleiben.

Schmelz- und Gefrierumwandlung

Durch Sonneneinstrahlung, warme Luft oder Regen kann Wasser in die Schneedecke gelangen. Gefriert die nasse Oberfläche wieder, entsteht eine Kruste beziehungsweise Harschschicht.

Eine ausreichend dicke Kruste kann am Morgen tragfähig sein. Eine dünne Kruste bricht dagegen unter Skiern oder Schuhen ein und wird als Bruchharsch bezeichnet.

Mit zunehmender Erwärmung verliert auch zuvor harter Schnee an Festigkeit. Besonders kritisch kann die erste tiefere Durchfeuchtung einer Schneedecke sein.

Welche Eigenschaften hat Altschnee?

Altschnee besitzt keine einheitlichen Fahreigenschaften. Abhängig von Temperatur, Exposition, Tageszeit und Schneedeckenaufbau kann er sehr unterschiedlich sein.

gesetzter trockener Altschneedichter als Neuschnee, häufig gut verbunden und tragfähig
kantiger Altschneelocker, körnig und möglicherweise störanfällig
Harschharte gefrorene Oberfläche oder Kruste
BruchharschKruste trägt das Körpergewicht nicht und bricht unregelmäßig ein
aufgeweichter Frühjahrsschneeoberflächlich weich und gut fahrbar oder bei starker Erwärmung tief und schwer
vereistes Altschneefeldsehr hart, geringe Bremswirkung und erhöhte Absturzgefahr

Was ist das Altschneeproblem?

Das Altschneeproblem ist eines der typischen Lawinenprobleme der europäischen Lawinenwarndienste. Es entsteht durch eine oder mehrere langlebige Schwachschichten innerhalb der älteren Schneedecke.

Typische Schwachschichten bestehen aus:

  • kantigen Kristallen
  • Schwimmschnee beziehungsweise Tiefenreif
  • eingeschneitem Oberflächenreif

Über der Schwachschicht liegt häufig eine festere, zusammenhängende Schneeschicht. Wird die Festigkeit der Schwachschicht überschritten, kann sich ein Bruch ausbreiten und eine trockene Schneebrettlawine entstehen.

➡ Nicht jeder Altschnee bildet ein Altschneeproblem. Gemeint ist eine konkrete Lawinensituation mit langlebigen Schwachschichten in der älteren Schneedecke.

Warum ist das Altschneeproblem besonders schwierig?

Langlebige Schwachschichten können über Wochen oder Monate bestehen bleiben. Sie sind häufig tief eingeschneit und von der Schneeoberfläche nicht zu erkennen.

Das Altschneeproblem gilt unter anderem aus folgenden Gründen als anspruchsvoll:

  • Gefahrenstellen können räumlich unregelmäßig verteilt sein.
  • Offensichtliche Alarmzeichen müssen nicht vorhanden sein.
  • Eine Auslösung durch einzelne Wintersportler ist möglich.
  • Brüche können sich über größere Entfernungen ausbreiten.
  • Fernauslösungen aus flacherem Gelände können vorkommen.
  • Tief liegende Schwachschichten können große Lawinen ermöglichen.
  • Stabilitätstests gelten nur für den untersuchten Ort.

Typische Gefahrenzeichen sind Wummgeräusche, Risse in der Schneedecke und frische Schneebrettlawinen. Das Fehlen solcher Zeichen bedeutet jedoch nicht, dass die Schneedecke sicher ist.

Wo tritt das Altschneeproblem häufig auf?

Das Altschneeproblem kann grundsätzlich in unterschiedlichen Höhenlagen und Expositionen auftreten. Häufiger bleiben Schwachschichten jedoch in schattigen, windgeschützten und wenig sonnigen Bereichen erhalten.

Besondere Vorsicht kann erforderlich sein:

  • an schattigen Hängen
  • in windgeschützten Mulden und Rinnen
  • in Bereichen mit dünner Schneedecke
  • an Übergängen von wenig zu viel Schnee
  • in selten befahrenem Gelände
  • an großen steilen Hängen mit schwerwiegenden Konsequenzen

Die tatsächlich betroffenen Expositionen und Höhenstufen stehen im aktuellen Lawinenlagebericht. Allgemeine Erfahrungswerte dürfen diese regionalen Angaben nicht ersetzen.

Altschnee im Frühjahr

Im Frühjahr wird die Schneeoberfläche häufig tagsüber feucht und friert während einer klaren, kalten Nacht wieder. Dadurch kann morgens eine harte und tragfähige Harschdecke entstehen.

Mit steigender Temperatur und Sonneneinstrahlung weicht die Oberfläche auf. Für das Skifahren kann sich vorübergehend eine gut fahrbare, körnige Schicht bilden. Umgangssprachlich wird dieser Zustand häufig als Firn bezeichnet.

Im weiteren Tagesverlauf kann die Schneedecke jedoch immer stärker durchnässen. Dann wird der Schnee tief, schwer und weniger tragfähig. Gleichzeitig kann die Nassschneelawinengefahr zunehmen.

Nach einer warmen oder bedeckten Nacht kann die Oberfläche bereits am Morgen unzureichend gefroren sein. Die verbreitete Annahme, Frühjahrsschnee sei vormittags grundsätzlich sicher, ist deshalb falsch.

➡ Im Frühjahr sind nächtliche Abstrahlung, Temperatur, Bewölkung, Exposition und Tageszeit entscheidend.

Altschnee, Firn, Harsch und Sulz im Vergleich

Altschneeältere, bereits umgewandelte beziehungsweise bestehende Schneedecke
Firn in der GletscherkundeSchnee, der mindestens eine Ablationsperiode überstanden hat und sich auf dem Weg zu Gletschereis befindet
Firn im Skisportumgangssprachlich oberflächlich aufgeweichter, körniger Frühjahrsschnee auf tragfähiger Unterlage
Harschharte, gefrorene Schneeoberfläche oder Kruste
Bruchharschnicht tragfähige Kruste, die unter Belastung einbricht
Sulzschneestark durchfeuchteter und weicher Schnee; regionale Verwendung des Begriffs kann abweichen

Firn ist somit nicht einfach jeder ältere Schnee. Besonders die gletscherkundliche und die im Skisport übliche Bedeutung müssen voneinander unterschieden werden.

Welche Gefahren bestehen auf Altschneefeldern?

Altschneefelder können auch im späten Frühjahr und Sommer bestehen bleiben. Besonders am Morgen oder im Schatten kann ihre Oberfläche sehr hart sein.

Mögliche Gefahren sind:

  • unkontrolliertes Abrutschen auf steilen Schneefeldern
  • lange Rutschwege bis in felsiges Gelände
  • verdeckte Bäche, Löcher und Randklüfte
  • Einbrechen an unterspülten Stellen
  • schwer erkennbare Übergänge zwischen Schnee und Eis

Auf steilen, harten Schneefeldern können geeignete Ausrüstung und die sichere Beherrschung der jeweiligen Technik erforderlich sein. Das bloße Mitführen von Grödeln, Steigeisen oder Eispickel ersetzt keine Ausbildung.

Wie verhält man sich bei einem Altschneeproblem?

Die Beurteilung eines Altschneeproblems erfordert Erfahrung und Kenntnisse über die Entwicklung der Schneedecke. Die wichtigste Grundlage ist der aktuelle regionale Lawinenlagebericht.

Die europäischen Lawinenwarndienste empfehlen bei langlebigen Schwachschichten eine konservative Geländewahl. Dazu gehören unter anderem:

  • im Lawinenlagebericht genannte Expositionen und Höhenlagen beachten
  • große und steile Hänge mit schwerwiegenden Konsequenzen meiden
  • Übergänge von dünner zu mächtiger Schneedecke besonders vorsichtig beurteilen
  • Wummgeräusche, Risse und frische Lawinen als Alarmzeichen werten
  • Entlastungsabstände und sichere Sammelpunkte verwenden
  • Auslaufbereiche und mögliche Fernauslösungen berücksichtigen

Diese Hinweise ersetzen keine Lawinenausbildung, Tourenplanung oder professionelle Beurteilung vor Ort.

Häufige Missverständnisse

  • „Schnee gilt nach drei Tagen automatisch als Altschnee.“ Eine allgemein verbindliche zeitliche Grenze gibt es nicht.
  • „Altschnee ist immer dicht und hart.“ Nein. Er kann auch lockere und kantige Schwachschichten enthalten.
  • „Alter Schnee ist automatisch stabil.“ Nein. Langlebige Schwachschichten können Wochen oder Monate erhalten bleiben.
  • „Altschneeproblem bedeutet einfach Lawinengefahr auf altem Schnee.“ Gemeint ist eine spezielle Lawinensituation mit persistenten Schwachschichten.
  • „Firn ist jeder Frühjahrsschnee.“ Im Skisport wird der Begriff so verwendet; in der Gletscherkunde besitzt er eine engere Bedeutung.
  • „Eine harte Oberfläche bedeutet eine stabile Schneedecke.“ Unter einer tragfähigen Kruste können weiterhin Schwachschichten liegen.
  • „Keine Wummgeräusche bedeuten sichere Verhältnisse.“ Das Altschneeproblem kann ohne sicht- oder hörbare Warnzeichen bestehen.

FAQ

Was ist Altschnee?

Altschnee ist bereits länger liegender und umgewandelter Schnee beziehungsweise die bestehende Schneedecke unter neueren Schneeablagerungen. Eine feste Altersgrenze gibt es nicht.

Ist Altschnee immer hart?

Nein. Altschnee kann hart und verkrustet, aber auch locker, kantig und schwach aufgebaut sein.

Was ist das Altschneeproblem?

Das Altschneeproblem ist eine Lawinensituation mit langlebigen Schwachschichten innerhalb der älteren Schneedecke. Diese können durch Wintersportler ausgelöst werden und größere Schneebrettlawinen ermöglichen.

Warum ist das Altschneeproblem gefährlich?

Die Schwachschichten sind häufig tief verborgen, schwer zu erkennen und räumlich unregelmäßig verteilt. Brüche können sich über größere Entfernungen ausbreiten.

Wie lange kann ein Altschneeproblem bestehen?

Persistente Schwachschichten können über Wochen oder Monate und in einzelnen Wintern über einen großen Teil der Saison erhalten bleiben.

Ist Firn eine Form von Altschnee?

Im weiteren Sinn ja. Gletscherkundlich bezeichnet Firn Schnee, der mindestens eine Ablationsperiode überstanden hat. Im Skisport wird der Begriff häufig für aufgeweichten Frühjahrsschnee verwendet.

Was ist der Unterschied zwischen Harsch und Bruchharsch?

Harsch ist eine gefrorene Schneeoberfläche oder Kruste. Bruchharsch ist nicht ausreichend tragfähig und bricht unter Skiern oder Schuhen unregelmäßig ein.

Wo kommt Altschnee häufig vor?

Altschnee ist Teil jeder länger bestehenden Schneedecke. Besonders lange bleibt er in hohen Lagen, schattigen Bereichen, Gletscherregionen und dauerhaft schneebedeckten Mulden erhalten.

Kann man ein Altschneeproblem an der Oberfläche erkennen?

Oft nicht zuverlässig. Wummgeräusche, Risse und frische Lawinen sind Warnzeichen, können aber vollständig fehlen. Maßgeblich sind der Lawinenlagebericht und eine konservative Tourenplanung.

Infobox